Interessante Einblicke in das Phänomen PEGIDA durch den Politikwissenschaftler Richard Gebhardt

Politikwissenschaftler Richard Gebhardt gab bei seinem Vortrag am 11. Juni in der Burtscheider Gaststätte Kapellchen Einblicke in Erscheinungen der letzten Zeit wie PEGIDA, deren Vorläufer und Ableger sowie im gleichen Fahrwasser befindliche Kräfte wie die AfD. Auf Einladung der SPD Ortsvereine West und Burtscheid sowie der AfA, hielt Gebhardt vor ca. 30 Gästen, die trotzt des schönen Wetters zur Veranstaltung gekommen waren, einen etwa 50 minütigen Vortrag zum Thema „Erscheinungsformen von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus am Beispiel von PEGIDA und anderen“.

Ausgehend von Hogesa, den sog. „Hooligans gegen Salafisten“, nahm der Politikwissenschaftler die Zuhörer auf eine Erkundungsreise zu den Befindlichkeiten einer breiten Öffentlichkeit mit, die mit den Dresdner Kundgebungen der PEGIDA, den sog. „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, mit bis zu 20.000 Teilnehmern und dem Einzug der AfD in mehrere Landesparlamente zuletzt ihren Höhepunkt fand.

Es stelle eine Neuerung dar, dass Teile der Rockerszene versuchen eine Bürgerbewegung darzustellen und somit ins Zentrum der bürgerlichen Gesellschaft drängen. Die Hooligan- und Rocker-Subkulturen, eben das Milieu der rechtsmotivierten Fußballfans, stellen dabei eine neue Avantgarde dar. Ohne Hogesa hätte es nach Gebhardt wohl keine neuen sozialen Proteste gegeben und die inhaltlichen Überschneidungen zu PEGIDA und anderen „Bürgerbewegungen“ stellen eine Weiterentwicklung dar. Hinzu gesellt sich der digitale Wutbürger, der teilweise anonym im Internet agiert und seine Weltanschauung und seine Ressentiments dort verbreitet.

Gebhardt stellt die These auf, dass die Gesellschaft unterschwellig gespalten ist und das Bewegungen wie PEGIDA und deren Ableger sowie Teile der AfD Fragen stellen, welche die Gesellschaft nicht hören will, weil sie keine Antwort auf die Fragen findet. So stellt zum Beispiel das Wort „Willkommenskultur“ ein Reizwort für die Szene dar. Dieses ist nach Auffassung vieler PEGIDA Sympathisanten ein Begriff der politisch korrekten Gutmenschen, die z.B. die Probleme, welche die Einwanderung von Flüchtlingen berge, bewusst übersähen.

Interessant dabei ist, dass die Forderungen der PEGIDA-Anhänger auf Transparenten und in Reden in Teilen so klingen, als wären sie bei der Partei Die Linke angeschrieben, so zum Beispiel, wenn es um den Erhalt der Arbeiterklasse geht. Auch der Erfolg von Thilo Sarrazins Büchern und der Wiederhall dieser Diskussionen auch im eher „linken“ Spektrum der Gesellschaft zeige, dass die Thesen von PEGIDA etc. durchaus Zustimmung in allen Bevölkerungsteilen finden. Auch das sei ein Hinweis darauf, dass Vorurteile und Ängste in jedem Menschen zu finden sind und niemand frei davon ist.

Minderheiten haben heutzutage durchaus eine hohe Aufmerksamkeit in den Medien. Um den Umgang mit ihren Anliegen gibt es eine gesellschaftliche Diskussion. Teile der Gesellschaft halten von Themen wie Gender-Mainstreaming, Einwanderung, oder der Gleichstellung von Homosexuellen nichts und fühlen sich von allen Politikern unverstanden. Dies ist nach Gebhardt ein Zeichen dafür, dass es sich bei vielen der Anhänger von PEGIDA etc. um Menschen handelt, die ein geschlossenes Weltbild haben und nicht anerkennen wollen, wie sehr sich die Bundesrepublik in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat. Dies führe bei Teilen der Bevölkerung zu einer Abkehr von der Politik und die zu einer Krise der Repräsentation. Jedoch zeige die Aufregung über PEGIDA etc. bei den Medien und der Politik, dass durchaus ein Nerv getroffen ist.

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